Geschäftsführerhaftung: Wenn die „beschränkte Haftung“ zur Privatfalle wird

Geschäftsführerhaftung: Wenn die „beschränkte Haftung“ zur Privatfalle wird
2.11.26
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Inhaltsverzeichnis

Kurz & knapp

  • Trugschluss: Die Haftungsbeschränkung der GmbH schützt zwar die Gesellschafter, aber nicht automatisch den Geschäftsführer bei Pflichtverletzungen.
  • Innenhaftung: Die eigene GmbH (oder ein Insolvenzverwalter) fordert Schadensersatz vom Geschäftsführer.
  • Außenhaftung: Dritte wie das Finanzamt oder Sozialversicherungsträger nehmen Sie persönlich in die Pflicht.
  • Haftungsrisiko Nr. 1: Fehler bei Steueranmeldungen (z. B. Umsatzsteuer) oder Zahlungen in der Krise.
  • Schutzmaßnahmen: Rechtzeitige Entlastung durch die Gesellschafter und der Abschluss einer D&O-Versicherung.

Viele Geschäftsführer wiegen sich in falscher Sicherheit.

Der Name „Gesellschaft mit beschränkter Haftung“ suggeriert, dass das Privatvermögen stets geschützt sei.

Doch für das operative Organ – den Geschäftsführer – gilt das nur bedingt.

Wer seine Sorgfaltspflichten verletzt, haftet im Ernstfall unbeschränkt mit allem, was er besitzt.

Innenhaftung vs. Außenhaftung: Wer kann Sie verklagen?

Man unterscheidet im Haftungsrecht der GmbH zwei wesentliche Stoßrichtungen:

1. Die Innenhaftung

Hier fordert die GmbH selbst Schadensersatz von Ihnen.

Das passiert häufig nach einem Streit zwischen Gesellschaftern und Geschäftsführer oder – besonders brisant – im Insolvenzfall.

Ein Insolvenzverwalter ist gesetzlich verpflichtet, nach Fehlern des Geschäftsführers zu suchen, um Geld für die Gläubiger zurückzuholen.

Ein klassisches Beispiel: Im Vertrag ist ein Limit von 5.000 € für eigenständige Abschlüsse gesetzt, Sie unterschreiben aber einen Vertrag über 50.000 €.

Selbst wenn kein direkter Schaden entsteht, haben Sie Ihre Kompetenzen überschritten.

2. Die Außenhaftung

Hier treten Dritte direkt an Sie heran.

Die größte Gefahr geht vom Finanzamt aus.

Wenn die GmbH Steuern (z. B. Lohn- oder Umsatzsteuer) nicht zahlt und Sie als Geschäftsführer schuldhaft Ihre Pflichten verletzt haben (etwa durch verspätete Abgabe der Voranmeldung), haften Sie persönlich für die Steuerschuld der Firma.

Die größten Gefahrenherde: Steuern und Krise

Besondere Vorsicht ist geboten, wenn es dem Unternehmen wirtschaftlich schlechter geht.

Hier lauern Fallstricke, die kaum ein Laie kennt:

Beispiel Kontokorrentkredit: Wenn Ihre GmbH zahlungsunfähig ist, dürfen Sie keine Zahlungen mehr leisten, die einzelne Gläubiger bevorzugen.

Wenn Sie nun Zahlungen auf ein im Minus befindliches Firmenkonto leiten, „bevorzugen“ Sie die Bank, da deren Kredit getilgt wird.

Das kann zur persönlichen Haftung führen.

Auch die Umsatzsteuer-Voranmeldung ist heilig.

Eine verspätete Abgabe bei gleichzeitiger Zahlungsunfähigkeit der GmbH führt fast unweigerlich in die persönliche Haftung des Geschäftsführers gegenüber dem Fiskus.

So schützen Sie Ihr Privatvermögen

Niemand sollte ein Geschäftsführeramt ohne Netz und doppelten Boden antreten.

Es gibt effektive Wege, das Risiko zu minimieren:

  1. Der Entlastungsbeschluss: Als Gesellschafter-Geschäftsführer sollten Sie sich jedes Jahr formal durch die Gesellschafterversammlung entlasten lassen. Damit verzichtet die GmbH auf bekannte Ansprüche gegen Sie (Schutz vor Innenhaftung).
  2. D&O-Versicherung: Eine „Directors and Officers“-Versicherung (Manager-Haftpflicht) ist für Fremdgeschäftsführer unverzichtbar. Sie deckt Vermögensschäden ab, die durch Pflichtverletzungen entstehen, und übernimmt die oft immensen Rechtsverteidigungskosten.
  3. Klare Prozesse: Dokumentieren Sie wichtige Entscheidungen und halten Sie sich strikt an die Vorgaben im Geschäftsführer-Dienstvertrag und der Satzung.

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Haftungsrisiken lassen sich durch eine kluge Strukturierung – beispielsweise innerhalb eines Holding-Modells – und saubere Verträge massiv senken.

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Häufige Fragen & Antworten

Haftet ein Geschäftsführer auch für Fehler seiner Mitarbeiter?

Ja, im Rahmen seiner Überwachungspflicht kann der Geschäftsführer haftbar gemacht werden, wenn er keine angemessenen Kontrollstrukturen (Compliance) im Unternehmen etabliert hat.

Was bewirkt die Entlastung des Geschäftsführers genau?

Mit dem Entlastungsbeschluss billigen die Gesellschafter die Geschäftsführung des vergangenen Jahres. Dies schließt Schadensersatzansprüche der GmbH gegen den Geschäftsführer für alle Vorgänge aus, die den Gesellschaftern zum Zeitpunkt des Beschlusses bekannt waren oder erkennbar sein mussten.

Warum ist das Finanzamt bei der Haftung so gefährlich?

Das Steuerrecht kennt die sogenannte „Durchgriffshaftung“. Wenn Steuern vorsätzlich oder grob fahrlässig nicht abgeführt werden, kann das Finanzamt ohne Umweg über die GmbH direkt auf das Privatvermögen des Geschäftsführers zugreifen (§ 69 AO).

Hilft eine D&O-Versicherung auch bei Vorsatz?

Nein. Versicherungen decken in der Regel nur fahrlässiges Handeln ab. Bei vorsätzlichen Straftaten oder bewussten Pflichtverletzungen greift der Versicherungsschutz meist nicht mehr.

Sie haben weitere Fragen?

Zögern Sie nicht, uns persönlich zu kontaktieren:

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